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Anna Pawlowa 1881-1931

Anna Pawlowa (geb. 1881) war eine russische Meistertänzerin des klassischen Balletts.

Anna Pawlowa besuchte die Petersburger Theaterfachschule und gehörte ab 1899 zum Ensemble des dortigen Mariinski-Theaters. Unter Michel Fokine tanzte sie größere Partien. 1907 inszenierte Fokine für sie das bekannte Solo Der sterbende Schwan.

Gastauftritte in der ganzen Welt machten Pawlowa ab 1908 international bekannt. Als Sergej Djagilew 1909 Les Ballets Russes in Paris gründete, übernahmen Vaslav Nijinskyund Anna Pawlowa die führenden Rollen. Die Ballets Russes wurden zu einer der berühmtesten und erfolgreichsten Ballettkompanien ihrer Zeit.

Ab 1910 wohnte Anna Pawlowa dauerhaft in London. Am 23. Januar 1931 starb sie während ihrer Abschiedstournee im Alter von 49 Jahren an einer Lungenentzündung.

Das Lieblingsgebäck der Australier und Neuseeländer ist Pavlova, eine Torte aus Baisermasse. Diese Süßspeise wurde Anna Pawlowa zu Ehren so benannt, nachdem sie 1926 und 1929 mehrfach in beiden Ländern gastierte.

Uliana Lopatkina - Dying swan

Vaslav Nijinsky 1888-1950

Vaslav Nijinsky war polnisch stämmiger, russischer Balletttänzer und Choreograph.

Nijinsky besuchte ab 1900 die kaiserliche Tanzakademie in Sankt Petersburg und wurde für seine außerordentliche Virtuosität und Sprungkraft berühmt.

Als vollkommen galt seine Fähigkeit, einen Sprung scheinbar in der Luft anzuhalten (Ballon). Seine Sprünge gelten aus heutiger Sicht nicht als gewaltig in ihrem Raummaß, aber durch den Eindruck ihrer zeitlichen Arretierung beeindruckend. Für den Zuschauer war die dafür notwendige Kraftanstrengung nicht sichtbar. Bis heute ist der Name Nijinsky daher ein Synonym für perfekte Tanzkunst.

Nijinskys Spitzname war „Le Petit“, weswegen wir unseren kleinsten Ballettsaal nach ihm benannten.

Nijinsky starb 1950 in London, wo er auch beerdigt wurde. Drei Jahre später wurde er auf den Cimetière de Montmartre in Paris umgebettet.

A few dance steps from Nijinsky in 15 ballets. Digital reconstructions by Christian Comte

Rudolf Nurejew 1938-1993

Sklave als König

Tänzer? Flieger. Vogelmensch. Panther mit Flügeln. Der da bis in die Mitte der Bühne sprang, kam nicht aus der Kulisse. Der flog auch nicht, wie jetzt zu lesen ist („Gott des Tanzes“ oder – wegen der Reinheit seiner Bewegung – „Luther des Balletts“), aus dem Himmel der Tanzkunst, sondern quälte sich aus dem Erdensumpf.

Das ist seine wahre Leistung. Die sollten wir nicht verkleinern jetzt, da wir seinem Zauber nie wieder erliegen können. „Kunst braucht Anstrengung“, hat der Tanz-Arbeiter gesagt, der fast täglich dreizehn Stunden lang im Probensaal seinen Körper in Form brachte und daneben nicht mehr brauchte als ein heißes Bad, eine Massage und ein paar Stunden Schlaf zwischen drei Uhr nachts und neun Uhr früh („Ferien mache ich nachts“). „I wish and I will“ war das Gesetz dieses gegen sich selber wütenden Künstlers, der die Tanz-Szene in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verändert hat wie kein anderer.

Der Mann mit dem verführerisch exotischen Aussehen und dem trainierten Körper konnte als Berufsbezeichnung – und als Glaubensbekenntnis – sagen, was er 1972 zum Titel seines Filmes machte: „I am a Dancer“. Er hat auch gesagt und im Zeitalter von Aids risikoreich danach gelebt: „Ich liebe Männer und Frauen.“ Und so wird erst jetzt, da Rudolf Nurejew nicht mehr lebt, sein Wort endgültig wahr: „Nicht ich habe den Tanz gewählt, sondern der Tanz hat mich auserwählt.“

Der Tänzer mit dem größten Charisma in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ist am 7. Januar, mit 54 Jahren, im American Hospital in Paris gestorben, in der Klinik, in der 1985 Rock Hudson, der erste bekennende Aids-Tote, gestorben ist. Auch wenn man respektiert, daß Nurejew bis in die Todesstunde die Silbe Aids aus seinem Leben verdrängt hat, kann man die Augen nicht länger vor der erschreckend wachsenden Liste der Tänzer und Choreographen verschließen, die in den letzten Jahren – inzwischen auch in Europa – an den Folgen der Immunschwäche gestorben sind: Nurejews Freund, der dänische Tänzer Erik Bruhn, Gerhard Bohner, Jorge Donn, Lubomir Kafka, die Hamburger Solisten Jeffrey Kirk und Roy Wierzbicki, die französischen Tänzer Dominique Bagouet, Jacques Garnier, Philippe Trassera.

Bei keinem konnte man – atemlos – so genau verfolgen, wie die nicht nur hohen, sondern imponierend raumgreifenden Sprünge, für die Nurejew meistens schon Auftritts-Applaus bekam, gelingen: Rudolf Nurejew „stand“ nicht nur in der Luft, sondern er schien, allen Gesetzen der Physik entgegen, die Richtung seines Sprungs – vorwärts – im Scheitelpunkt umzukehren und – gleichsam sinnlos – einen Lidschlag, einen Herzschlag lang die ganze Kraft in eine Rückwärtsbewegung zu verkehren, die seinen Auftritten die unvergleichliche Leichtigkeit, Eleganz und Grazie gaben. Der stürzte nicht, sondern glitt, trotz aller machtvollen Energie, in die Szene.

„Gott des Lichts“ hat Martha Graham den verehrten Tänzer auch wegen dieser hart erarbeiteten, athletischen Kunst genannt. Er war ein Gott der Luft, der Flugkünste, ein Bruder des Luftgeistes Ariel. Und doch unterschlägt man Nurejews Eigenart, wenn man ihn nur mit der Anmut der Luftkünste zusammenbringt. Um bei Shakespeares „Sturm“-Drama zu bleiben, durch das Ariel flügelt: Nurejew, der Sohn tatarischer Eltern, der als Siebenjähriger mit baschkirischen Volkstänzen seine ersten Triumphe bei den Jungen Pionieren gefeiert hat, war immer auch ein Bruder des Erdmenschen Caliban: Erst die animalische Virilität seines Tanzes, das ungezähmte Temperament gaben diesem Meister des Klassischen Tanzes die unverkennbare Kraft, fern aller Pose.

Ein Akt trotziger Rebellion steht am Beginn der Laufbahn dieses Tänzers. Der Vater, Politkommissar der Roten Armee, wollte seinen Jungen nicht in Ballett-Sälen aufwachsen sehen. So lief Rudolf von zu Hause fort, brachte sich durch mit kleinen Rollen bei der Oper in Ufa, mit Volkstanzvorführungen, als Tanzlehrer in Arbeiter- und Bauern-Kollektiven. Er war schon siebzehn, also „alt“ für einen angehenden Tänzer, als er endlich an einer richtigen Tanz-Schule ein Stipendium erhielt. Er stürzte sich in die Arbeit – und schaffte es in drei Jahren, ohne die Ochsentour als Gruppen-Tänzer, zum Solisten des Leningrader Kirow-Balletts.

Ein zweites Mal erinnerte er sich an den von Anton Tschechow übernommenen Leitspruch seines Lebens: „Jeden Tag quetsche ich ein Stück Sklave aus meiner Seele“ und trennte sich von seiner zweiten Familie, dem Kirow-Ballett. Mit einer Flanke über die Schranken der Grenzkontrolle im Flughafen Le Bourget wagte er nach einem Gastspiel in Paris am 17. Juni 1961 den Sprung ins politische Asyl, in die – künstlerische – Freiheit. Dieser kleine war vielleicht Nurejews größter Sprung: Jetzt begann seine wahre Karriere als ein die Welt bewegender Tänzer. Jetzt wurde aus dem sich täglich selber befreienden Sklaven der König des Tanzes.

Auftritt einer Elfenkönigin: Margot Fonteyn. Für eine Wohltätigkeitsveranstaltung in London 1962 suchte die berühmte Tänzerin einen Partner. Wera Wolkowa, die erste Lehrerin des mittellosen, tatarischen Tänzers im Westen, empfiehlt ihren Zögling: „Er ist ein Genie. Er hat die Nasenflügel.“ So kommen sie zusammen, der 23jährige Nobody und die („schon“) 42jährige Diva Margot Fonteyn. Sie werden das ideale Paar des Klassischen Tanzes in den sechziger Jahren. Die schon an den Abschied von der Bühne denkende „Dame Margot“ wird an der Seite des ungebärdigen Tänzers aus der Fremde zu einer mädchenhaften Elevin, die noch einmal all die Prinzessinnen-Rollen des klassischen Repertoires wagt. Nurejew zähmt seine wilde Tanzlust in der jahrelangen Zusammenarbeit mit der Künstlerin zu der Noblesse und stilistischen Sicherheit, die ihn zu einem Tänzer des Jahrhunderts machen.

Nurejew wird berühmt, wird reich, versucht sich (wenig glücklich) als Choreograph, als Ballett-Direktor, als Filmstar, schließlich, als auch er die Kritik an seiner nachlassenden Tanzkunst nicht mehr überhören kann, auch als Dirigent – und bleibt doch stets der im Probensaal schuftende Tanz-Sklave. Er hat alles gehabt: das Gekreisch englischer Teenager von den Rängen „Wie want Rudi in the nude!“ (Wir wollen Rudi nackt sehen) – und die Umarmung durch den französischen Kulturminister Jack Lang, auf offener Bühne, bei seinem letzten öffentlichen Auftritt, nach dem von ihm (vom Bett hinter den Kulissen aus) choreographierten Ballett „La Bajadère“, am 8. Oktober 1992 in Paris. Im Smoking ließ sich der einst so sprungmächtige Künstler von zwei Tänzerinnen auf die Bühne geleiten und nahm, die berühmte bunte Wollmütze auf dem Kopf, den Tränen nah, den Kulturorden eines „Commandeur des Arts et Lettres“ entgegen.

Was ist dieser große europäische Künstler aus tatarischem Stamm mit der österreichischen Staatsbürgerschaft, der in seiner Wahlheimat Paris beerdigt sein will, anderes geblieben als der „Nomade“, wie er sich selber genannt hat?

„Meine eigentliche Heimat ist die Bühne.“

Am Ende seines Lebens hatte er sieben Wohnsitze, darunter ein Schloß über Monte Carlo oder das Zwölfzimmerappartement in der Avenue Georges Mandel in Paris, wo vor ihm Maria Callas (un-)glücklich war, fern der Bühne. Geboren wurde Rudolf Hametowitsch Nurejew unterwegs, im Transsibirien-Expreß bei Irkutsk am 17. März 1938. Eine seiner schönsten, stillen Arbeiten waren die (von Maurice Béjart choreographierten) „Lieder eines fahrenden Gesellen“ (nach Gustav Mahler). So werden wir ihn und seine Kunst in Erinnerung behalten: Tanzlieder des fahrenden Gesellen aus dem Tatarenland. Rolf Michaelis

 

Nurejew Le Corsaire

Nurejew in Muppet Show

Nurejew Swan Lake

Margot Fonteyn 1919-1991

Kaum eine andere Tänzerin kann auf eine so außergewöhnlich lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken wie Margot Fonteyn, die als Primaballerina assoluta des britischen Nationalballetts dessen Stil entscheidend mitprägte. Geboren als Margaret »Peggy« Hookham ist sie, wie sie später in ihren Memoiren feststellt, eine glückliche Mischung ihrer impulsiven irisch-brasilianischen Mutter und ihres tüftlerischen englischen Vaters. Bereits mit vier fängt sie an zu tanzen und hat, bis sie im Alter von acht Jahren England verlässt, schon einige Prüfungen der Royal Academy of Dancing mit Auszeichnung absolviert.

1927 tritt ihr Vater eine Stelle in China an, ein mehrjähriges Reiseleben beginnt – Amerika, Singapur, Shanghai und immer wieder England. Als ihre Mutter die vierzehnjährige Peggy zur Tanzausbildung nach London zurückbringt, erscheint die Ballettschule des Sadler's Wells Theatre am erfolgversprechendsten. Dort verschafft die Förderung durch Ninette de Valois, Tänzerin, Choreographin und Direktorin der Schule, Fonteyn ein besonders hartes Training, an dessen eiserne Disziplin sie sich erst gewöhnen muss. Sie kann bald erste Bühnenerfahrung sammeln und wird zunehmend mit den Hauptpartien der großen klassischen Ballette betraut.

Frederick Ashton, der später für Fonteyn viele ihrer schönsten Rollen schuf, verzweifelte anfangs fast an dem »eigensinnigen Kind«: Fonteyn begriff mit ihrem scharfen Verstand zwar rasch die Choreographie, ihre Darstellung entsprach aber erst ganz den Intentionen des Choreographen, wenn sie sie tatsächlich verinnerlicht hatte. Das konnte zwei Jahre dauern. Diese Echtheit der Gefühle und das Aufgehen Fonteyns in der jeweiligen Rolle befähigten sie, noch als reife Frau die 16-jährige Aurora in Dornröschen oder die Julia aus Romeo und Julia glaubhaft zu verkörpern.

Fonteyn gehört zu den lyrischen Tänzerinnen, hochmusikalisch, mit vollendeter Harmonie ihrer Bewegungen – elegant, leicht und schwerelos, ganz gleich welche artistische Pose sie auf Spitze meistert. Sie besitzt eine sympathische Ausstrahlung, natürlichen Charme, Humor und für eine Primaballerina erstaunliche Bescheidenheit.

In den 1960er und 1970er Jahren werden sie und der junge russische Tänzer Nurejew zum Traumpaar: der wilde, temperamentvolle Tatar und die kühle, lyrische, englische Ballerina bestechen mit einer fast schlafwandlerischen Übereinstimmung ihrer Bewegungen und Bühnenpräsenz. Höhepunkte sind das extra für sie von Ashton choreographierte Ballett Marguerite and Armand (basierend auf dem Stoff der Kameliendame), Schwanensee und besonders Romeo und Julia.

Nurejew kam gerade zur rechten Zeit, denn in den 1950er Jahren hatte Fonteyn verletzungs- und krankheitsbedingt einige Krisen zu meistern und dachte zum ersten Mal an ein Ende ihrer Karriere. Beide beeinflussten sich gegenseitig: Fonteyns Tanz gewann an Aggressivität und Brillanz, Nurejew profitierte von ihrer enormen Erfahrung und Bühnensicherheit.

1937 lernt Fonteyn den aus einer alten panamaischen Politikerfamilie stammenden Jurastudenten Roberto Arias kennen und lieben. Das Paar verliert sich jedoch aus den Augen und erst 1953 – Arias ist inzwischen verheiratet und hat drei Kinder – treffen sie sich in New York wieder. Die alte Seelenverwandtschaft flammt erneut auf, und nach seiner Scheidung heiraten sie 1955 in Paris.

Vier Jahre später geraten beide in die Schlagzeilen, als Arias versucht, die seiner Meinung nach korrupte panamaische Regierung zu stürzen. Der Versuch misslingt und die eher zufällig anwesende Fonteyn verbringt eine Nacht im Gefängnis, ehe man sie nach Amerika abschiebt.

Arias kann bald wieder am politischen Leben Panamas teilnehmen, was ihm 1964 zum Verhängnis wird: nach einem Attentat bleibt er für den Rest seines Lebens gelähmt. Auch aus finanziellen Gründen übt Fonteyn weiterhin ihren Beruf aus und lebt erst nach ihrem Rücktritt mit 60 Jahren (!) sehr zurückgezogen bei ihrem Mann in Panama, wo sie 1991 an Krebs stirbt. Verfasserin: Adriane von Hoop

Fonteyn Swan Lake

Fonteyn Rose Adagio

ZITATE

Ich war überrascht über den starken Eindruck, den ihre Darbietung auf mich machte. Ich musste einfach weinen [...], und dies ist ein merkwürdiges Erlebnis für eine professionelle Tänzerin, die Schwanensee schon Hunderte Male gesehen und selber getanzt hat.
(Natalia Makarova, Tänzerin des Kirov-Balletts)

Meine Tage glichen Zusammensetzspielen aus Proben, Besuchen, Interviews, Fotoaufnahmen, Besprechungen an der Royal Academy of Dancing, Empfängen und Diners ... Mitte März reiste ich für ein verlängertes Wochenende nach Panama; am Dienstag flog ich wieder ab, um rechtzeitig zur Aufführung von Un-dine am Donnerstag zurück zu sein. In der folgenden-Woche tanzte ich Undine am Dienstag, verbrachte den Mittwoch zusammen mit Tito in Paris und tanzte Freitag in London Dornröschen ...
(Margot Fonteyn in ihrer Autobiographie)

Martha Graham 1894-1991

Martha Graham revolutionierte den Tanz

"Tanz ist die verborgene Sprache der Seele."

Martha Graham wird als die einflussreichste Figur der Tanzwelt bezeichnet. Heute vor 117 Jahren wurde sie geboren. Google widmet der Tanzikone ein Doodle. Denn wie niemand vorher brachte die US-Amerikanerin Graham die festgefahrenen Strukturen in der Tanzszene des 20. Jahrhunderts ins Wanken. Sie gilt als Erfinderin des Modern Dance.

1916 begann Martha Graham ihre Ballettausbildung. Doch schnell war ihr das dort vorgegebene Korsett zu starr und engte sie ein. 1926 gründete sie in New York ihre eigene Schule, die "Martha Graham School of Contemporary Dance". Aus der sollte die später weltberühmte " Martha Graham Dance Company " hervorgehen.

In ihrer eigenen Schule machte sich Martha Graham daran, das Ballett zu revolutionieren.

Die Formen des Tanzes ordnete sie plötzlich Gefühlen und Emotionen unter. Bei ihr stand nicht mehr die Technik sondern das Gefühl beim Tanzen im Mittelpunkt. In immer neuen Versuchen entwickelte sie schließlich eine eigene Tanztechnik die von Anspannung und Entspannung sowie der Atmung des Körpers baut.

Das sieht dann teils kraftvoll, dynamisch, schroff und spannungsgeladen aus. Aber es entspricht dem Motto von Martha Graham, die einmal sagte: "Tanzen ist die versteckte Sprache der Seele".

Tanz, hat Martha Graham gesagt, ist eine Fieberkurve des Herzens und Verlangen seine stärkste Triebkraft. Aus dem Mund der großen Dame des amerikanischen Modern Dance klang dieser Satz immer glaubhaft, denn ihr ganzes Leben schien ein einziger Beleg für ihn zu sein. Zwischen Mäßigung und Mittelmaß machte Graham keinen Unterschied: "Wenn ein Schüler mich fragt, "Soll ich Tänzer werden?", sage ich immer: "Wenn du erst fragen musst, lautet die Antwort: nein."

Madonna ging bei ihr in die Lehre

New York wurde ihr Schicksal. 1926 gründete Martha Graham ihre erste Truppe, aus der die Martha Graham Company hervorgehen sollte. Schnell löste sie sich vom romantischen Eklektizismus ihrer frühen Jahre und entwickelte das, was als "Martha Graham Technik" weltberühmt werden sollte: dynamische, individuelle und auch verstörende Bewegungen, die nur einem Motor zu folgen schienen, dem Gefühl.

Damit schlug sie Brücken zu anderen Künsten. Martha Graham arbeitete mit Komponisten wie Aaron Copland und Samuel Barbar, mit Bildhauern wie Isamu Noguchi oder Designern wie Calvin Klein zusammen.

Star-Tänzer wie Rudolf Nurejew taten alles, um in ihren Stücken wirken zu dürfen. Und Hollywood-Schauspieler standen Schlange, um von ihr unterrichtet zu werden. Sie schliff Liza Minnelli, Gregory Peck und Kirk Douglas. Und auch Madonna zählt zu ihrem illustren Schülerkreis

Ihre Nachfolger touren durch die Welt

Noch heute wird der Einfluss von Martha Graham auf die Ballet- und Tanzszene geehrt. Alljährlich versammeln sich bei dem "Contemporary Dance Festival" sieben Wochen lang alle wichtigen Vertreter des Modern Dance.

In ihrer über 60 Jahre währenden Bühnenarbeit schuf Graham 181 Werke. Im Alter von 75 Jahren gab sie zu ihrem großen Bedauern ihre letzte eigene Tanzvorstellung. Noch mit 96 Jahren choreographierte sie ihre Tanzstücke.

Martha Graham gilt als die entscheidende Neuerin des Modern Dance und ist damit eine der bedeutendsten Choreografinnen des 20. Jahrhunderts. Sie vertstarb am 1. April 1991 in New York.

Martha Graham Dance Company "Diversion of Angels"

Martha Graham - Lamentation 1943

Joseph Hubertus „Joe“ Pilates 1883-1967

Joseph Hubertus Pilates ist der Erfinder und Gründer der heute weltweit verbreiteten Pilates Methode. Geboren wurde er 1883 in Mönchengladbach bei Düsseldorf und litt als schwächliches Kind unter Krankheiten wie Asthma und Rachitis.

Aus seinen Schwächen entwickelte er Stärken:

Mit dem Ziel sich aus diesen Gebrechlichkeiten zu befreien, erlernte er viele athletische Sportarten, studierte westliche und östliche Körpertechniken und entwickelte eine Trainingsmethode, die er selbst „Contrology“ nannte und seiner Zeit schon damals weit voraus war.

Im Vordergrund stand für ihn die Verbindung von Körper und Geist. Sein Ziel war, den Körper gleichmäßig zu entwickeln und den Verstand zu beleben, die körperliche Vitalität zu erhöhen und den Geist aufzurichten. Er schuf ein Trainingsprogramm, das heute als die Art des „intelligenten Trainings“ bezeichnet und vielfach unter dem Stichwort Body & Mind zusammengefasst wird.

Während seiner Internierung im 1. Weltkrieg in England begann er mit den Kriegsverletzen im Lazarett körperlich zu arbeiten, um sie schneller wieder rehabilitieren zu können. Dabei entwickelte er aus alten Betten und Federzügen seine Geräte, die auch heute noch charakteristisch die elastischen Federn aufweisen. Insgesamt erfand er in seinem Leben über 20 Geräte und mehr als 500 Übungen.

Er kehrte nach Deutschland zurück, erweiterte seine Methode in Hamburg und emigrierte dann 1926 als überzeugter Pazifist in die USA.

Auf der Überfahrt lernte er seine Frau Clara kennen und eröffnete mit ihr zusammen in New York das erste Pilates Studio. Besonderen Anklang fand seine Arbeit bei Tänzern, Schauspielern und Athleten, die aufgrund von Verletzungen oder zur Verbesserung ihrer Technik mit Joseph erfolgreich trainierten. Viele berühmte Persönlichkeiten waren unter ihnen, die seine Technik bekannter werden ließen.

In seinem Buch „Return to Life through Contrology“ schrieb er seine Ideen zu einer gesunden Lebensführung nieder.

Joseph Pilates glaubte, dass die wichtigste Grundlage für das Glück die Beherrschung des eigenen Körpers sei. Jede Veränderung, die wir an unserem Körper bewirken, wirkt sich wiederum auf unseren Geist und unser Denken aus, d.h. Veränderung von außen ist immer mit einer Veränderung der Psyche und Emotionen verbunden.

1967 starb Pilates im Alter von 86 Jahren und hinterlässt eine Methode, die sich in ihrer erstaunlichen Vielfältigkeit und unendlichen Kreativität sowohl im Fitness- und Präventionsbereich als auch in der Physiotherapie und Rehabilitation optimal einsetzen lässt.

The History of Joseph Pilates